Nachbericht Kokkedal Open (13.–15. Mai 2022)


Ein per­sön­li­cher Erfah­rungs­be­richt des Hyzernauts Chris­to­pher Gebur.

Im Janu­ar die­sen Jah­res war es end­lich soweit: die Anmel­dung für das PDGA Euro Tour 2022-Event #3, das Kok­ke­dal Open (in Däne­mark), war geöff­net. Nach­dem der Start­platz gesi­chert war, stieg die Vor­freu­de bei­na­he wöchent­lich. Ich hat­te mir eine Rei­se­crew, bestehend aus Dari­us und Will gesucht und zusam­men haben wir nach eini­ger Suche eine Unter­kunft in Esper­ga­er­de gefun­den. Sie bot sowohl zum wal­di­gen und enge­ren Kurs Egh­jor­ten, als auch zum offe­nen, dafür oft sehr win­di­gen Kurs Fred­tof­ten eine maxi­ma­le Anrei­se­zeit von 20 Minu­ten. Kei­ne schlech­te Wahl bei einem Tur­nier, das im Golf­start gespielt wird und bei dem im schlech­tes­ten Fal­le alle aus der Crew im zwei Stun­den-Tur­nus auf die Run­de gehen müssten.

Potsdam – Berlin – Rostock – Kokkedal

Rettungsring der Fähre mit Schriftzug „Berlin“
Mit der „Ber­lin“ fuh­ren wir sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt.

Die Rei­se begann für mich am Mitt­woch­mor­gen um 6:30 Uhr. Bepackt mit Cart, Disc­golfruck­sack und Rei­se­ruck­sack fuhr ich im Regio­nal­ex­press 1 nach Ber­lin, um dann gemein­sam mit Dari­us nach Ros­tock zu fah­ren. Der Zeit­plan war eng gesteckt, da wir die Fäh­re um 11:15 Uhr gebucht hat­ten. Also flink in die Innen­stadt von Ros­tock, Will ein­sam­meln und dann ab zum Ros­to­cker Hafen. In der War­te­schlan­ge der Fäh­re, haben wir dann noch Mar­tin Dör­ken getrof­fen und uns gemein­sam die War­te­zeit auf die Abfahrt mit Gesprä­chen vertrieben.

Fangnetz mitten im Wald, mit drei Werbebannern
Ein etwas ande­res Dri­ving-Field in Fred­tof­ten. Die Spieler*innen muss­ten jeden­falls nicht weit lau­fen bis zu ihren Scheiben.

Nach der zwei­stün­di­gen Fähr­fahrt war­te­ten noch wei­te­re zwei Stun­den Auto­fahrt auf uns. Dann end­lich konn­ten wir die ers­ten Schei­ben bei den Kok­ke­dal Open wer­fen – zumin­dest auf ein Fang­netz, da es auf dem Fred­tof­ten-Kurs kei­ne Dri­ving-Area gab. Dafür gab es vier(!) Puttingkörbe.

Trainingsrunde am Mittwoch

Im Vor­feld wur­de uns von Mar­tin berich­tet, dass der Fred­tof­ten Kurs, ob sei­ner Nähe zum Meer, ziem­lich win­dig sein wür­de. In unse­rer Trai­nings­run­de war dies auch zum Teil der Fall, hin­zu kam jedoch noch ein Schau­er, der uns zwei Bah­nen beglei­te­te und uns kurz­zei­tig schutz­su­chend unter die Bäu­me trieb. Der Kurs war per­fekt für das Tur­nier prä­pa­riert: gemäh­te Fair­ways, Cir­cles 1 + 2 abge­steckt und dazu wun­der­bar abwechs­lungs­rei­che Bah­nen mit Höhen­un­ter­schie­den, die uns Flachlandspieler*innen eini­ges abver­lan­gen soll­te. Nach der, auf dem Cad­dy­book ein­fa­chen 67m Bahn 3, die sich ob der immensen Höhen­un­ter­schie­de in Wirk­lich­keit wie eine 100m Bahn spielt, begeg­ne­ten wir gleich den ers­ten Hyzernauts: Ket­te, Jero­me und Vic­tor sowie dazu Ral­le aus Köln hie­ßen uns auf dem wun­der­schö­nen Kurs will­kom­men und wünsch­ten uns eine gute Ken­nen­lern­run­de. Sie hin­ge­gen woll­ten nach die­sem Kurs noch den Egh­jor­ten-Kurs spie­len fahren.

Fairway vom Tee mit Blickrichtung bergauf, Korb nicht zu sehen
Ich per­sön­lich habe noch nie län­ge­re 67 Meter gespielt. Es galt gefühl­te 25 Höhen­me­ter zu überwinden.

Auf den letz­ten Bah­nen merk­te ich aller­dings schon, dass mich mei­ne Kräf­te ver­lie­ßen und so schlepp­te ich mich gera­de noch so über die Ziel­li­nie und anschlie­ßend ins Auto. Nach­dem wir in unse­rer Unter­kunft ange­kom­men waren, leg­te ich mich ins Bett und ver­ließ die­ses eigent­lich nur noch um einen klei­nen Hap­pen beim Abend­essen abzu­grei­fen, danach war das Bett wie­der für mich reser­viert. Am nächs­ten Mor­gen fühl­te ich mich noch nicht merk­lich bes­ser: kei­ne Kraft, kei­ne Kör­per­span­nung – kei­ne guten Vor­aus­set­zun­gen für ein Kurs-Par von 67. Der Egh­jor­ten-Kurs war, genau wie der Fred­tof­ten-Kurs tags zuvor, eben­falls per­fekt vor­be­rei­tet: Cir­cles und Bull­seye waren mar­kiert. Mein Kör­per woll­te jedoch offen­bar kei­ne Ken­nen­lern­run­de zulas­sen und so brach­te ich nach zwei Bah­nen den Ruck­sack zurück ins Auto und ent­schied, wenigs­tens den Kurs mit Will und Dari­us abzu­lau­fen, um die­sen tech­ni­schen Wald­kurs im Tur­nier nicht blind spie­len zu müs­sen. Ich muss­te jedoch fest­stel­len, dass selbst ein Wald­spa­zier­gang an die­sem Tag nicht im Bereich des Mög­li­chen war und so setz­te ich mich ins Auto, schlief ein wenig und schau­te schon mal nach einer Ver­bin­dung für den Abend, die mich zurück nach Pots­dam brin­gen soll­te. In die­sem Moment sah ich mich nicht am Frei­tag um 9:00 Uhr auf dem Tee ste­hen, geschwei­ge denn eine Tur­nier­run­de durch­ste­hen. Nach­dem die bei­den ihre Trai­nings­run­de been­det hat­ten, ging es zurück in die Unter­kunft. Will und Dari­us fuh­ren noch­mal nach Kopen­ha­gen, um die Stadt zu erkun­den. Ich hin­ge­gen leg­te mich wie­der ins Bett und ruh­te mich aus, mehr war ein­fach nicht machbar.

Die Erste PDGA-A-Runde

Blick vom Tee auf den Fairway, mit mBanner und zwei Aufstellern
Tur­nier­start an Bahn 1 auf dem Egh­jor­ten Kurs. 129 Meter Par 3 umran­det von Tannen.

Da unse­re Tee-Zei­ten am ers­ten Tur­nier­tag nur 30 Minu­ten von­ein­an­der ent­fernt lagen, konn­ten wir uns einen gemein­sa­men Wecker stel­len. Und schon nach dem Auf­ste­hen merk­te ich, dass ich mich bes­ser fühl­te, die Kraft und auch die Kör­per­span­nung waren wie­der da. Also ab zum Kurs, warm machen und die Tur­nier-Atmo­sphä­re auf­sau­gen. Ich hat­te das Glück die Ers­te Run­de gemein­sam mit Will zu spie­len und so konn­te ich – vor allem ab den Bah­nen die ich ja weder gespielt, noch gese­hen hat­te – nach den bes­ten Lan­dings­pots fra­gen. Das war auf dem Egh­jor­ten unge­mein wich­tig, da er ab Bahn 7 nur noch drei Par 3 Bah­nen auf­bot. Also ver­such­te ich mich mit einer (für mich) unge­wohnt defen­si­ven Spiel­wei­se, in gute Par- oder Bir­die­po­si­tio­nen zu brin­gen. Vor allem die Bah­nen im Wald (7–12) boten viel Poten­zi­al über Par zu spie­len, woge­gen ich mich, abge­se­hen von Bahn 9 (Dou­ble-Bogey nach OB), erfolg­reich zur Wehr setz­te. Die Front 9 been­de­te ich also mit ‑1.

Blick auf Waldrand mit Korb und halboffene Moorfläche
Der Egh­jor­ten-Kurs bot eine wun­der­schö­ne Natur. Hier Bahn 15, wel­che von einem Moor samt OB ein­ge­rahmt wurde.

Nun ver­such­te ich den Schwung mit auf die Back 9 zu neh­men. Nach eini­gen Pars, konn­te ich zum Ende der Run­de noch­mal eini­ges an Schwung auf­neh­men und spiel­te die Bah­nen 15–17 Bir­die. Vor allem auf der Bahn 17 war dies ein abso­lu­tes Bonus-Bir­die: 111m lang, ein sehr enges Fair­way, Bäu­me wohin das Auge reich­te, OB der gesam­ten rech­ten Län­ge der Bahn und ein durch einen Baum mit hän­gen­den Ästen gut geschütz­ter Korb mach­ten die Bahn zu einer ech­ten Her­aus­for­de­rung. Unser local Card-Mem­ber Simon sag­te uns, dass er mit viel­leicht maxi­mal fünf Bir­dies (der Open-Spie­ler) im gesam­ten Tur­nier rech­nen wür­de. Nun, unse­re Card schaff­te das für mich unfass­ba­re: drei Bir­dies, mein Out­side- und zwei Insi­de-Cir­cle-Putts waren defi­ni­tiv eine Ansa­ge. Nach einem ver­pass­ten Bir­die auf der 18 been­de­te ich die ers­te Run­de also mit drei unter Par. – Eine sehr gute Run­de. Die Dri­ves waren sehr soli­de und die Putts (auch Out­side-Cir­cle) saßen mit­un­ter sehr gut. Top Run­de also.

Moving Day – Fredtoften

Spieler beim Putt unter niedrigem Baum und Korb
Hier der Blick auf den Korb der Bahn 17 (Egh­jor­ten).

Der nächs­te Tag ver­sprach so eini­ges, wind­still stand jedoch nicht auf der Tages­kar­te. Lan­ge schla­fen konn­ten wir nicht. Unse­re Tee-Times erstreck­ten sich von 8:30 bis 11:30 Uhr, sodass wir alle gemein­sam zum Fred­tof­ten-Kurs fuh­ren und uns gemein­sam warm mach­ten. Ich beglei­te­te zuerst Dari­us und danach Will noch auf den ers­ten Bah­nen, um mich dann selbst für mei­ne Run­de vor­zu­be­rei­ten: Ich pack­te den Groß­teil mei­ner insta­bi­len Dri­ver aus. Bei einem kon­stan­ten Wind von 30–40 km/h und Böen bis 60 km/h waren die eigent­lich auch voll­kom­men unnö­tig. Die Prä­mis­se lau­te­te: mög­lichst ohne Bogey durch den Kurs kom­men, was sich auf den Front 9 auch noch gut bewerk­stel­li­gen ließ. Zwei ver­pass­te Putts von 5–6 Metern lie­ßen mich mit ‑1 auf die Back 9 star­ten. Hier konn­te ich die gute Form jedoch nicht hal­ten und hol­te mir noch drei Bogeys und einen Dou­ble-Bogey ab, sodass ich die 2. Run­de mit +4 been­de­te. Puh. Mit die­sem Dämp­fer ging es also zurück in die Unter­kunft. Ein letz­tes Mal Ener­gie tan­ken, bevor es am Sonn­tag auf die letz­te Tur­nier­run­de gehen sollte.

Die letzte Runde (und Bahn 19)

Blick im Zwielicht auf Steg und offenes ruhiges Wasser, mit Land am Horizont
Von unse­rer Unter­kunft waren es kei­ne fünf Minu­ten bis zum Meer. Auf der ande­ren Sei­te ist schon Schwe­den zu erkennen.

Unse­re letz­te Nacht war eine kur­ze und von vie­len Unter­bre­chun­gen beglei­te­te: Dari­us hat­te Magen-Darm bekom­men. Also mit recht wenig Schlaf zum Kurs. Dari­us muss­te DNF machen und blieb in der Unter­kunft. Auf mei­ner letz­ten Card am Sonn­tag erwar­te­te mich Ket­te. – Gut, ein bekann­tes Gesicht und einer der den Kurs ver­dammt gut kennt: zwei Gege­ben­hei­ten die mich posi­tiv stimm­ten. Die Run­de begann eigent­lich auch nicht schlecht. Mit 3 Bir­dies auf den Front 9 fühl­te ich mich sehr gut, die zwei Bogeys und der Dou­ble-Bogey lie­ßen die Front 9 jedoch in einem ande­ren Licht leuch­ten, als noch am Frei­tag. Die Putts woll­ten lei­der nicht so fal­len und hin­zu kamen leich­te Unge­nau­ig­kei­ten bei den Dri­ves, die vom Egh­jor­ten-Kurs ohne Rück­sicht bestraft wur­den: vier wei­te­re Bogeys und ein Dou­ble-Bogey aus einem 5‑Me­ter-Bir­die, lie­ßen mich mit +7 aus der letz­ten Run­de gehen. Gan­ze zehn Wür­fe mehr als am Frei­tag. Ich hat­te eini­ges an Lehr­geld gezahlt, dass muss­te ich erst­mal bei einem Bur­ger am Tur­nier­cen­ter verdauen.

Eine letzte Fährfahrt

‚Bahn 19‘-Schild („HUL 19“) mit Burger- und Bier-Bild
Zum Abschluss einer jeden Run­de auf dem Egh­jor­ten-Kurs war­te­te die ‚Bahn 19‘: Bur­ger, Bier (alter­na­tiv eine ande­re Erfri­schung) und natür­lich der Scheiben-Shop.

Nach dem Bur­ger ging es zurück in die Unter­kunft, um den lädier­ten Dari­us ein­sam­meln, dem es lei­der noch nicht wirk­lich bes­serging. Wir ent­schie­den uns ein­fach zwei Stun­den eher zur Fäh­re zu fah­ren, um dann mit ein wenig Über­re­dungs­küns­ten und Glück anstatt der gebuch­ten 20:15-Uhr-Fähre die frü­he­re neh­men zu kön­nen. Zu unse­rem Erstau­nen gelang uns dies, ohne dafür eine Umbu­chungs­ge­bühr zah­len zu müs­sen. Und so hat­ten wir noch fast eine Stun­de War­te­zeit. Die­se ver­trie­ben wir uns mit den Live-Scores der Final­run­de. Als dann noch die Live-Über­tra­gung des Ste­chens zwi­schen KJ Nybo und Josef Berg star­te­te, war eigent­lich alles per­fekt. Lei­der hielt die­se Situa­ti­on nicht lan­ge an, denn der Stream brach nach weni­gen Minu­ten ab und wir erfuh­ren aus den Sozia­len Medi­en, dass Josef gewon­nen hatte.

Blick auf Wasser mit Leuchtturm im Vordergrund und Schiffen am Horizont
Mit die­sem Son­nen­un­ter­gang lie­ßen wir den Disc­golf-Urlaub ausklingen.

Nach der zwei­stün­di­gen Fahrt mit der Fährt, fuh­ren wir also um 20:15 mit der so lang­sam unter­ge­hen­den Son­ne im Hafen von Ros­tock ein. Noch schnell Will nach Hau­se brin­gen und dann war es ja eigent­lich nur noch ein Kat­zen­sprung bis nach Ber­lin. Hier erwar­te­te uns ein klei­nes Grau­en. Einen Park­platz nach 22 Uhr fin­den. Und das noch an einem Sonn­tag. Nach gefühlt zehn Minu­ten hat­ten wir dann end­lich eine Lücke gefun­den. In einer Ent­fer­nung zur Woh­nung von Dari­us, dass es sich für Dari­us fast noch loh­nen wür­de eine Sta­ti­on mit der Tram nach Hau­se zu fah­ren. Ich hin­ge­gen been­de­te die Fahrt wie ich sie begon­nen hat­te: im Regio­nal­ex­press der Linie 1. Kurz nach Mit­ter­nacht kam ich also wie­der in Pots­dam an: müde und aus­ge­laugt, aber glücklich.

Das Fazit

Verschwommener blauer Korb im Hintergund, aufgeklebter Hyzernauts-Aufkleber im Vordergrund
Hier zu sehen: Korb 7 in Fred­tof­ten. 70 Meter Bahn, die gute 15 Meter Down­hill gewor­fen wird. Mit OB hin­ter dem Korb.

Im Nach­gang kann fest­ge­hal­ten wer­den: bei­de Kur­se, so unter­schied­lich sie auch sind, haben abso­lut ihren Reiz. Ich ver­ste­he war­um die­ses Tur­nier von eini­gen Hyzernauts seit Jah­ren fest im Tur­nier­ka­len­der ver­an­kert ist:

  • es ist rund­um per­fekt organisiert,
  • die Kur­se las­sen nichts zu wün­schen übrig,
  • für die Turnierteilnehmer*innen gibt es gra­tis Was­ser und Obst an jedem Kurs
  • an den Tur­nier­cen­tern war zusätz­lich jeweils noch ein loka­ler Shop, der Schei­ben ver­schie­dens­ter Her­stel­ler anbot,
  • zu guter Letzt gab es sau­be­re Toi­let­ten und das nicht nur am Turniercenter

Das könn­ten sich die umlie­gen­den Tur­nie­re gern zum Vor­bild nehmen.

Das Kok­ke­dal Open kann ich jeden­falls unein­ge­schränkt wei­ter­emp­feh­len. Ich für mei­nen Teil, habe noch eine Rech­nung offen. Bis zum nächs­ten Jahr!